Tag 2: Katmandu – Lukla - Phakding

18.11.2005 Katmandu – Lukla - Phakding

Um 04:45 Uhr klingelt das Telefon mit unserem Weckruf. Flink wird noch einmal warm geduscht und zu Recht gemacht. Um 05:30 Uhr stehen wir mit Sack & Pack in der Lobby und werden pünktlich von Prakash abgeholt. Unseren Seesack lassen wir im Hotel zurück, der Rest geht mit, inklusive unserer Frühstückboxen. Am Terminal für Inlandsflüge treffen wir Dandy Sherpa – unserer Guide für die nächsten Tage. Jung, klein, drahtig und immer lächelnd macht er einen sehr sympathischen Eindruck. Seine Kleidung sieht auch professionell aus – besser als Paul oder Felix in Kenia. Fleißige Nepalesen sind gleich zur Stelle, die unsere Rucksäcke zum Gebäude tragen. Statt der gewünschten USD 10,- geben wir ihnen 50 Rupien was bei einem Tageslohn von 150 Rupien vernünftig ist. Etwas enttäuscht über die Rupien statt Euros oder USD ziehen sie ab. Drinnen sind drei Schalter für die Abfertigung von Buddha Air, Yeti Air und Cita Air. Wir werden mit Yeti Air fliegen und Dandy checkt uns alle ein. Insgesamt bringen wir 70kg auf die Wage. Die Tax (170 Rupien) bezahlen wir an einem separaten Schalter. Die Sicherheitskontrolle verläuft sehr spartanisch. Ein leicht „warmer“ Beamter bittet David zum kuscheligen „ Body Check“. Im großen Wartesaal verputzen wir unser gutes Frühstück vom Radisson und wecken damit gleich die freudige Aufmerksamkeit unserer Nachbarn. Zwei Deutsche, die auf individuellem Wege nach Lukla sind, um dort auch den Trek zum Kala Patthar (5.675m) zu gehen. Wir haben viel Spaß mit unserem „Full Service“. Sicher werden wir uns irgendwo und irgendwann am Berg wieder sehen.

Der Abflug verzögert sich durch starken Nebel. Aber wir haben ja die erste Maschine gebucht, so dass wir sicher sind, sollte es irgendwann losgehen, werden wir mit dabei sein. Die halle füllt sich zunehmend – Japaner, Inder, Deutsche, Franzosen, Amis = alle sind sie da. Unser Flug sollte eigentlich um 06:30 Uhr gehen. Gegen 07:30 Uhr tut sich erstmals etwas. Ein Flug nach Lukla wird aufgerufen und wir bewegen uns zum Gate, welches eine Tür ist, durch die alle abgefertigt werden. Eine Traube von Menschen versammelt sich und viele kommen mit, nur wir nicht. Anscheinend haben sie einfach den nächsten Flug abgefertigt. Daran muss man sich wohl gewöhnen. Tee trinken, lesen, irgendwie beschäftigen. Um 10:00 Uhr sind wir an der Reihe. Mit einer weiteren Gruppe steigen wir ins Propellerflugzeug. David, Kai und ich sitzen direkt hinter dem Piloten und haben somit freie Sicht auf die Instrumente. Wir steigen auf 11.400 feet. Die Berge des Himalayas liegen majestätisch vor uns. Die Landung ist absolut spektakulär und atemberaubend. Aus dem Nichts taucht plötzlich ein zarter Streifen zwischen den Bergen auf, auf den der Pilot mit einem steilen Sinkflug hinsteuert. Dieses anscheinend kurze Etwas ist die Landebahn des Tenzing-Hillary Airport, angelegt auf einer der wenigen ebenen Hochflächen in den Bergen von Lukla. Vor der Landebahn fällt der Berg senkrecht ab und am Ende der nur ca. 600 m „langen“ Piste erhebt sich eine gewaltige Felswand eines Sechstausenders. Die Piste selber ist steil ansteigend, um somit die Kürze für die Landung zu kompensieren und die Maschinen abzubremsen, bzw. ihnen für den Start den nötigen Schwung mitzugeben. Bei diesem Anblick und der bevorstehenden Landung ist uns auf einmal allen Himmel Angst und Bange. Zur „Beruhigung“ sieht man auch noch die letzten Überreste einer vor Jahren am Hang zerschellten Maschine. Es ist muchs-mäuschen still in der Maschine und wenn ich mich umsehe, sind alle Augen weit aufgerissen und innerlich betet wohl jeder, ob gläubig oder nicht, „Bitte lass die Maschine rechtzeitig zum Stehen kommen“. Auf die Felswand zu rasend und mit ordentlichem Gegenschub abbremsend, dreht der Pilot im letzten Moment auf des Parkfeld nach rechts ab und da stehen wir – unendlich erleichtert. Es ist 10:45 Uhr und wir befinden uns in 2.860m Höhe. Die ganze Maschine klatscht vor Erleichterung und Dank, so wie man das nur von peinlichen Charterflügen kennt.

Nur kurze Zeit später hat sich Dandy zwei von den vielzähligen, darauf wartenden Porter vor der Ankunftshalle ausgesucht und wir schreiten schon durch Lukla – dem Start unseres Treks. Der Ort ist geprägt von kleinen Steinhäusern mit blauen Dächern, Fenster- und Türrahmen. Wir halten in einer Lodge, wo unseren neuen Porter die Sachen neu sortieren und uns einen Tee reichen. Wir sitzen geschützt in der Sonne und es ist herrlich warm. Um 11:30 Uhr ziehen wir los. Zwei Porter mit ca. 40 kg und 2 Guides - Dandy und Dirty. Schon bald ziehen wir uns die Fleece-Pullover aus und genießen es, in T-Shirts zu wandern. Der Weg führt an der Seite zur Schlucht abfallend entlang. Ca. 1,50m breit und gut begehbar. Zum größten Teil geht es bergab. Unterwegs treffen wir einige Wanderer und Porter, auch Ochsen passieren uns. Ständig ist unser Blick auf den Khunde Peak gerichtet, der uns mit seiner wunderschönen, schneebedeckten Spitze lange begleitet. In einem kleinen Dorf machen wir Rast und essen bei traumhaftem Panorama eine große Portion Pasta mit Mangold. Im Laufe des nächsten Wegabschnittes zieht das Wetter etwas zu, so dass die Sicht auf die faszinierenden 7 und 8-Tausender eingeschränkt bleibt. Um 15 Uhr erreichen wir Phakding. Hier quartieren wir uns im „Trekkers Holiday Inn“ ein. Wir haben zwei Zimmer mit je zwei Betten und sogar einer eigenen Toilette bzw. kleinem Bad, welches nachträglich draußen hängend montiert wurde. Das ist nicht üblich und daher sehr wertvoll. Die Zimmer sind sauber und hellhörig, da sie nur aus Holzbrettern bestehen. Wenn man auf dem Klo in dem besagten, angehängten Blechhäuschen sitzt, kann man aus dem immer offenen Fenster auf die Berge und eine grüne Wiese schauen. Besinnliches Bergidyll beim Geschäft erledigen, da braucht man keine Zeitung. Sehr romantisch, wenn es nicht so kalt wäre. Nachdem wir uns warm eingepackt haben, schauen wir uns Phakding an und treffen doch tatsächlich auf das Pärchen vom Flughafen. Nach einem netten Schwätzchen wird es aber recht frisch und wir entschließen uns, in einer Lodge mit Ofen einzukehren. Die Außentemperatur beträgt jetzt 10°C. In der Namaste Lodge wird bereits eingeheizt, so dass es sicher bald warm wird. Wir bringen unserem Guide Dandy Sherpa Kniffel bei und essen zu Abend. Es gibt Knoblauchsuppe, Momos und Mandarinen. Natürlich darf ein wärmender Milchtee nicht fehlen. Kai quälen mal wieder Verstopfungserscheinungen und alle anderen blöde Blähungen. Da ist er wieder, dieser typisch Höhenlagen-Geruch J.

Um 19.45 Uhr verabschieden wir uns in den warmen Schlafsack. Gute Nacht!

 

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