Tag 3: Phakding – Namche Bazar

19.11.2005 Phakding – Namche Bazar

Um 06:30 Uhr heißt es aufstehen und rasch die Sachen packen. Ich springe als Erste auf und ein Blick aus dem Fenster verrät uns fantastisches Wetter. Langsam tauchen die felsigen Spitzen der Bergriesen vor unserem Haus in ein sanftes, morgendliches Orange. Es wird noch eine gute Weile dauern, bis die wärmende Sonne auch das Tal erreicht hat. Das Blechbad ist erfrischend kühl. Schnell spritze ich mir Wasser ins Gesicht, denn langsam wäre diese eisige Flüssigkeit nicht zu ertragen. Stolz wie Oskar über meine mutige Katzenwäsche und natürlich  putzmunter wecke ich David. Er nimmt lieber mit den guten „Colette Feuchtigkeitstüchern“ Vorlieb – Weichei! Rasch die Sachen gepackt, denn um 07:00 Uhr steht das Frühstück auf dem Tisch. Gegessen wird diesmal in der Sherpa-Küche. Es gibt alles was das Herz begehrt. David wünscht sich Rührei, ich nehme ein Spiegelei auf Toast, Britta verputzt Müsli und Kai ganz traditionell Chapati Brot mit Ei. Kurz vor 08 Uhr brechen wir auf. Heute ist unser Ziel der Ort Namche Bazar auf 3.400 m. Anfänglich ist es noch recht frisch, aber nach etwa 1 Stunde schafft es die Sonne auch zu uns. Zunächst geht es auf relativ gleichem Niveau voran, bis langsam aber stetig der Anstieg beginnt und wir immer wieder von der linken auf die rechte Uferseite und zurück kreuzen. Ermöglichen tun das die imposanten Hängebrücken aus Stahl, über die jeweils zwei Menschen mit etwas Ausweichen aneinander vorbeilaufen können. Sobald allerdings ein Trupp mit Kühen als Lastenträger kommt, wird die Brücke zur Einbahnstraße. Geschmückt sind sie alle mit Gebetsfahnen und -schals, die eifrig im Wind flattern. Uns passieren ziemlich viele Japaner, meist älteren Kalibers und manchmal auch sichtlich geschwächt. Schon bald erfreut uns der fantastische Ausblick auf den Thamserku, ein 6.608m hoher, markanter Berg. Er ragt zwischen den grünen Talwänden hervor und strahlt mit seiner weißen Schneedecke. Er wird von jetzt an unser Begleiter bis nach Namche. Bei dem Örtchen Monju befindet sich der offizielle Eingang zum 1976 gegründeten Sagarmatha National Park. Unsere Tickets für ca. je 10 Euro hatten wir bereits von Sukendra in Katmandu erhalten. Noch schnell ein Foto mit allen vor dem Eingangstor und weiter geht’s. In Jorsale kehren wir zum Mittag ein. Wie auf einer Berghütte in den Alpen nehmen wir auf der Sonnenterasse Platz und bestellen nach kurzer Diskussion für alle Kürbissuppe. Dass diese so frisch ist, das die Dame des Hauses mit einem großen Kürbis in der Hand um die Ecke biegt, hätten wir nicht gedacht, aber umso besser schmeckt sie dann auch. Da alles etwas länger gedauert hat, kommen wir somit zu einer einstündigen Pause mit vielen schönen Eindrücken um uns herum. Nach dieser Rast erwartet uns der steile Aufstieg nach Namche. Es gilt 600 Höhenmeter zu überwinden. Nachdem wir die legendäre und letzte Brücke, die „Hillary Bridge“ passiert haben, geht es auch gleich los. In der Zwischenzeit haben uns auch die Wolken eingeholt und wieder ist es ab der Mittagszeit bewölkt und kühler. Der Weg hinauf ist durch Stufen geprägt, die von den Sherpas errichtet wurden. Schließlich ist Namche einmal in der Woche ein wichtiger Ort des Handels, zu dem jeder voll beladen eilt. Denn samstags treffen die Tibeter in Namche ein, um billige Handelsware aus China gegen Lebensmittel zu tauschen. Immer schön gleichmäßig und mit gemäßigtem Schritt kurbeln wir uns nach oben. Kurz vor Namche treffen wir auf Militär, die hier Routinekontrollen bei den Sherpas durchführen. Und dann taucht der Ort auch schon hoch oben auf. Die Häuser aus massiven Felssteinen, mit blauen Fensterrahmen und Dächern sind wie die Sitzreihen eines Amphitheaters in den kesselförmigen Hang gebaut. Der Blick des Ortes ist ins Tal und auf den Kongde Ri (6.187m) gerichtet. Namche Bazar ist das Verwaltungszentrum der Khumbu Region und gewissermaßen das Eingangstor zum Hoch-Himalaya. Wir durchschreiten das heilige Eingangstor, vorbei an einer Stupa. Der Weg ist bald eine enge Gasse, die hinauf durch die Häuseransammlung führt. Überall ist der Weg von Outdoor-Shops und sonstigen Souvenirläden gesäumt. Internetcafe, deutsche Bäckerei und ein Guest House nach dem anderen. Der Duft aus der deutschen Bäckerei „Pumpernickel“ ist vernichtend gut. Für alle steht fest, nach dem Einzug in unsere Unterkunft hier noch einmal einzukehren. Dandy führt uns zu einer Lodge, die etwas weiter oben liegt. „Shangri La“ heißt sie und überrascht noch mehr als die vorherige. Massive Wände, Doppelzimmer und sehr sauber. Sogar eine Leselampe hängt über jedem Bett. Die Toilette ist auf dem gang. Flink haben wir unsere Zimmer eingerichtet, denn hier werden wir zwei Tage bleiben. Dann geht es auch schon zurück in den Ortskern. David hat von der deutschen Bäckerei „Hermann Helmers“ gelesen, in der wohl Reinhold Messner immer seinen Apfelstrudel ist. Geführt wird die Bäckerei von einem Nepali, der in Deutschland in einer Bäckerei in Bielefeld gelernt hat und seine Bäckerei zu Ehren seines Ausbilders genauso benannt hat. Es gibt sogar Kaffee mit aufgeschäumter Milch. Jeder sucht sich ein Stückchen aus und wir genießen gemeinsam ein Stück „Heimatgefühl“, tausende Kilometer von daheim entfernt. Zurück im Teahouse erwartet uns auch sogleich das Abendessen. Voll gestopft spielen wir noch ein paar Runden Kniffel. Diesmal ist Dandy mit von der Partie und räumt auch gleich richtig ab. Später als in der vorherigen Nacht verabschieden wir uns wieder leicht fröstelnd gegen 21.30 Uhr in unsere Schlafsäcke. Gute Nacht!

 

Namche liegt auf  3.440m

Zimmertemperatur: 11 °C

 

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