Tag 4: Namche Bazar

20.11.2005 Namche Bazar

Heute ist „Restday“. Dennoch sollen wir früh aufstehen. Um 07:15 Uhr klingelt der Wecker. David und ich haben beide nicht so prima geschlafen. Zwar haben wir keine Probleme mit dem Kopf, aber David war durstig und mir war kalt. Nach dem Frühstück steht ein Spaziergang zum Aussichtspunkt auf den Everest auf dem  Programm und ein Besuch des Sherpa Museums etwas weiter oberhalb. Das Wetter ist wieder sehr schön, allerdings ziehen von Phakding Wolken heran. Ein schmaler Weg am Hang führt uns zu einer Kurve, von der man aus freie Sicht auf die vier mächtigen Berge Lhotse (8.560m), Mt. Everest (8.848m), Nuptse (7.861m) sowie den Ama Dablam (6.865m) hat. Es ist eine atemberaubende Kulisse und einer ist schöner als der andere. Der Mt. Everest wirkt fast unscheinbar neben den anderen, sehr viel näher gelegenen und charakteristischen Bergen. In meinen Augen einer der schönsten Gipfel ist der des Ama Dablams - der Gipfel sieht aus wie ein abgeknickter Daumen.

In den nächsten Tagen wird uns diese Kulisse begleiten und motivieren. Danach steigen wir ab zum Museum, wo die Geschichte der Sherpas sowie die Besteigung der Berge erläutert werden. Im Anschluss kehren wir noch in dem kleinen Kloster von Namche ein, bevor es wieder hinab zur Lodge geht. Es hat sich mächtig zugezogen, so dass wir im Gemeinschaftsraum bleiben, lesen, Mittag essen und mit Neuankömmlingen Gedanken austauschen. Schließlich beschließen wir auf Shoppingtour zu gehen. Auf der Suche nach einer preislich akzeptablen Daunenjacke für mich, wollen wir Dandys Hilfe annehmen. Er führt uns in eine etwas abgelegene Ecke von Namche, wo einige Tibeter wohnen und Handel mit einigen mehr oder weniger illegal ins Land gebrachten Waren treiben. Er bringt uns in ein Haus, welches unten einem Stall gleicht. Über eine spartanische Holztreppe gehen wir in die obere Etage. Es ist stockdunkel und in dem einen großen Raum scheint die gesamte Familie zu hausen. Neben zum trocknen aufgehängten  Fleischteilen und halben Ziegen liegen Waren zum Verkauf. Überall stehen Tibeter, die sehr anders als die Nepali aussehen. Sie haben lange Haare, die zusammengebunden sind und tragen einen blauen Stein im Ohr. Ein älterer Mann möchte David unbedingt eine Kette verkaufen. Sein Wortschatz reicht nicht über „Shoppi, shoppi“ hinaus, womit er uns wohl einen guten Kauf anpreisen will. Er wiederholt das eine Wort in einer Tour. Eine Jacke finden wir leider nicht und stehlen uns rasch wieder aus der Hütte. Auch bei einer zweiten Anlaufstellehaben wir kein Glück, aber dafür wieder eine Menge neuer Eindrücke gesammelt. Also begeben wir uns in die „Einkaufsmeile“ von Namche. Wir kaufen uns schließlich jeder eine Halskette, die Glück bringen soll und finden tatsächlich noch einen vertrauenserweckenden Outdoor-Laden, in dem ich mir meine Daunenjacke für 4.200 Rupien kaufe (ca. 52,- Euro). Schön warm ist mir jetzt! Einen Einkehrschwung gönnen wir uns noch bei der Bäckerei „Pumpernickel“. Hier stoßen auch Franziska und Jochen auf uns, das deutsche Pärchen vom Flughafen, deren Namen wir nun kennen. Wir überreden Franziska, sich ebenfalls eine Daunenjacke zu kaufen und verhandeln sie sogar für nur 4.000 Rupien. David springt noch rasch in den Internet-Shop und ich kaufe ein paar Postkarten. Die nette Verkäuferin erzählt mir, dass sie meine Jacke auch besitzt und für 3.800 Rupien erworben hat. Kein so schlechter Kauf als offensichtlicher Tourist also. Als wir in unser Restaurant der Lodge einkehren, ist ordentlich was los. Alle Plätze sind besetzt mit Trekkern. Gleiches Ritual wie jeden Abend: Essen, Kniffel spielen und dann kommen noch Franziska und Jochen auf einen Besuch vorbei. Ich fühle mich nicht so prima, mein Hals tut weh und mir ist immer noch fröstelig. David kommt mit mir hoch und versorgt mich ganz lieb mit Aspirin und warmem Bett. Ich habe heute viel getrunken, so dass meine Nacht bestimmt abwechslungsreich wird. Gute Nacht!

 

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