Tag 6: Tengboche – Dingboche

22.11.2005 Tengboche – Dingboche

Die Nacht war für David und mich unangenehm. David konnte wieder nicht gut schlafen und lag dauernd wach. Er fühlt sich ziemlich kaputt. Sowohl physisch als auch psychisch. Ich habe ziemlich gefroren und mich dann entschieden, mir mein Fleece-Inlay in den Schlafsack zu ziehen. Jetzt habe ich bereits meine lange Unterwäsche, Socken, Schlaafsack und Inlay für die Nacht. Danach wechselte das Frösteln in eine Hitzewelle. Mir war klar, dass ich Fieber haben musste. David wollte ich nicht wecken, weil ich hoffte, dass er Schlaf finden würde. Gegen 03:00 Uhr fiel ich dann noch einmal in einen vernünftigen Schlaf. Am morgen maßen wir Fieber und ich hatte nur 37,2 °C. David erkundigte sich bei Dandy, wie der Weg heute sein würde und dieser versicherte, dass er nicht sehr anstrengend und viele Lodges am Wegesrand haben wird. Also entschlossen wir uns, die Etappe auf uns zu nehmen und den morgigen Ruhetag in Dingboche zur Genesung zu nutzen. Zum Frühstück gab es köstlichen Milchreis und French Toast. Britta fragte, was wir nun machen würden, David und ich. Das verärgerte David ziemlich, weil es sich für ihn anhörte wie „Ihr und Wir“ und nicht wie „Wir als Team“. Ach ja, kurz vor dem Frühstück besuchten wir noch die legendäre Tengboche Monastry, wo sich die Expeditionen für den Gipfelzug segnen lassen bzw. den Lama fragen, ob der Berg ihnen gnädig sein wird. Es fand eine für uns mystische Zeremonie statt, der wir beiwohnen durften. Die Schuhe mussten am Eingang ausgezogen werden und hinter dem mächtigen Vorhang eröffnete sich uns der Gebetsaal. Nur spärlich beleuchtet und fast mit einem frühmorgendlichen Nebel verhangen empfing uns der Saal. Wir schlichen hinein und durften an der Seite auf Teppichen unscheinbar Platz nehmen. Vorne in der Mitte des Saals saß der Lama auf seinem kleinen Podest. Die restlichen Mönche saßen in mehreren Reihen vor ihm auf dem Boden. Alle dick eingemummelt mit Tee in den Händen. Man konnte den Atem aufsteigen sehen, so frisch war es hier drin. Es war eine unglaublich mystische Stimmung, besonders als alle Mönche in einen brabbelnden, tiefen Gebetsgesang einstimmten. Später fügten sie noch Instrumente hinzu. Alle wurden wild durcheinander und für uns ohne erkennbare Melodie gespielt. Trommeln, Flöten, Hörner, Glocken – man meinte jeder wollte den andern in Lautstärke und Häufigkeit übertönen. Gegen 09:00 Uhr verlassen wir Tengboche. Zunächst verläuft der Weg idyllisch durch einen Rhododendronwald. Die Riesen Everest, Lhotse und Ama Dablam haben wir immer noch im Blick. Meistens gehe ich vor, weil die anderen sagen, ich sollte das Tempo heute vorgeben. Ich fühle mich wie an den Kilimanjaro zurückversetzt, als es mir dort einen Tag lang richtig schlecht ging.  Allerdings fühle ich mich beim Gehen nicht so schlapp wie dort damals und kann meinen Rucksack auch selber tragen. Dennoch freue ich mich über jede Pause und hoffe nur, bald am nächsten Etappenziel anzukommen. Mittags essen wir Pizza auf Davids Wunsch hin.Sie schmeckt wirklich gut. Danach geht es ziemlich lang bergauf. Schließlich liegt Dingboche auf 4.320m Ich bin ziemlich niedergeschlagen, weil ich den Eindruck habe, als Einzige nicht fitt zu sein. David tröstet mich, dass es wohl für alle eine anstrengende Etappe sei und wir gleich da sein  werden. Es tut mir so leid, dass ich immer solche Probleme bereite, mit denen die anderen unweigerlich auch konfrontiert werden und entsprechend eingeschränkt in ihrem Handeln sind.

Ich weiß nicht mehr, wann wir in Dingboche angekommen sind, aber es ist ein süßes kleines Dorf in einem Tal, welches rechts vom Ama Dablam, am Ende des Tals vom Lhotse, Island Peak und Makalu sowie links von kleineren (5.000m) Bergen flankiert wird. Unsere Lodge mit dem reizvollen Namen „Valley View Hotel“ liegt ziemlich am Ende des Tals und etwas weiter oberhalb. Das ist fantastisch, denn so scheint die Sonne länger auf unsere Hütte. Die Zimmer sind gut, sogar recht warm durch die Sonneneinstrahlung. Unser Zimmer hat zwei Fenster mit atemberaubendem Bergpanorama. Ich lege mich gleich hin und schlafe bis zum Abendessen durch. Nachdem David auch eine kleine Runde geschlafen hat, flößt er mir noch eine Paracetamol ein und gesellt sich zu den anderen in den Aufenthaltsraum. Zum Abendessen holt er mich runter. Mein Fieber ist auch deutlich gesunken. Es gibt Dalbat, ein nepalesisches Linsengericht, und Ingwer Tee, der wohl Fiebersenkend wirkt. Später spielen wir noch zusammen mit Franziska und Jochen, die auch hier untergekommen sind, das Spiel Phase 10. Nachdem David die Regeln verstanden hat, brilliert er, wie ich es eben von ihm kenne. Da recht schnell der Ofen erloschen ist, verkriechen wir uns gegen 20:00 Uhr in die Zimmer. Wir lesen noch eine ganze Weile, bevor wir die Augen schließen. Hoffentlich wird es für uns beide eine ruhige Nacht.

 

Höhe Dingboche: 4.320m

Zimmertemperatur: 2 °C

 

Ach ja, Zähneputzen war übrigens heute sehr exklusiv. Da es drinnen kein Bad gibt und David sich weigerte, aufs Plumsklo draußen zu gehen, haben wir uns den armen Abfalleimer im Zimmer vorgenommen. So weit sind wir nun schon gekommen…Schlimm!

 

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