Tag 7: Dingboche – Himalayan Rescue Association Center

23.11.2005    Dingboche – Himalayan Rescue Association Center

Um 07:00 Uhr stehen wir wie gewöhnlich auf. Ich habe gut geschlafen, aber David geht es mies. Er hat starke Verspannungen an der Schulter und im Genick, so dass er sehr schlecht, wenn fast gar nicht, schlafen konnte. In der Nacht hatte ich ihm bereits die Schulter massiert und mit Voltaren eingerieben, aber es half nichts. Er tut mir sehr leid, weil er sonst absolut fitt ist und ihn lediglich diese Schlaflosigkeit schwächt. Beim Frühstück legen wir den Tagesablauf fest. Britta und Kai werden mit Dandy und Dirty den geplanten Tagesmarsch nach Chumkung (4.700m) antreten. Franzi, Jochen, David und ich gehen mit einem der Porter (Dorchy) ins andere Tal nach Periche (4.200m), um dort das Spital aufzusuchen. Ich werde mir ein paar Antibiotika besorgen, David ein Schlafmittel und Franzi benötigt ein Nasenspray. Es geht bergab und bergauf und schon sind wir da. Es ist ein kleines Spital von japanischen und amerikanischen Gründern mit drei Ärzten. Uns betreut eine australische Ärztin die erzählt, dass sie dort jeweils für vier Monate im Dienst sind. Die Organisation heißt Himalayan Rescue Association (HRA) und finanziert sich über Spenden. Als Dank kaufen wir auch eine Fleecemütze für 6,- USD und ziehen mit Medikamenten wieder von dannen. Da wir uns alle ganz gut fühlen und das Wetter sonnig klar, wenn auch windig frisch ist, fragen wir Dorchy, ob wir nicht noch ein Stück höher steigen könnten. Schließlich gehen wir bis 4.700m und genießen den wunderschönen Ausblick. Rasch steigen wir durch den Staub wieder ab und sind gegen 12:00 Uhr wieder in der Lodge. So haben wir in kurzer Zeit auch etwas für unsere Akklimatisation getan. Mittag essen wir vor der Lodge in der Sonne, windgeschützt. Es gibt Tomatensuppe und köstliches Tibetanisches Brot. Das ist ein Fettgebäck. Wie man es bei uns ab und zu auf dem Jahrmarkt als Langoosch findet. Weil das Wetter so schön ist und wir mal frühzeitig in der Lodge sind, beschließen wir ein „Hot Shower“ oder in nepalesisch: „Hot Shawa“ zu nehmen. Das geht so: man bestellt zunächst beim Hüttenwirt ein Hot Shower, dann werden große Töpfe mit Wasser auf die Feuerstelle gesetzt und erhitzt. Wenn das Wasser heiß ist, bekommt man bescheid und verschwindet in  einem ca. 2qm großen Blechschuppen. Wenn es sonnig ist, ist es darin auch relativ warm. Was bei einer Außentemperatur außerhalb des Windschattens von ca. 10 °C angenehm ist, wenn man sich entkleiden muss. Dann steht man nackig auf einer Granitplatte und wartet darauf, dass der Wirt das heiße Wasser in einen Trog auf dem Schuppendach kippt. Dann kann man den Hahn aufdrehen und es tröpfelt heißes Wasser aus der Brause. David und ich wollten gemeinsam duschen, was bei dem dünnen Strahl aber zu einem schwierigen Unterfangen wird. Also wasche ich mir rasch die Haare und mich selbst und dann übergebe ich an David. Ich zittere wie Espenlaub als ich mich schnellstmöglich abtrockne und wieder in meine Sachen schlüpfe. David juchzt auch ganz schön, weil der Kontrast zwischen dem heißen Wasser und der kalten Umgebungsluft einem Kneipp-Bad ähnelt. Als wir fertig sind, springt noch Franziska runter und dann kommen auch schon Britta und Kai von ihrem Trip zurück. Es ist jetzt 15:00 Uhr und sie sind ganz schön geschafft. Sie waren wohl sehr schnell und sind sogar bis auf 5.000m gegangen. Ich gehe hoch und kuschle mich in meinen Schlafsack zum Lesen. David geht in der Zwischenzeit Shoppen. Mit Wasser, Klopapier und Snickers bzw. Twix kommt er zurück. Gemeinsam gehen wir runter in den Aufenthaltsraum. Dort lesen wir alle, erzählen, ich schlafe auf der langen Bank eine Weile und schließlich gibt es Essen. Britta versucht bereits zum hundertsten Mal den weiteren Routenverlauf nachzuvollziehen und die Orte, in denen wir in den kommenden Tagen sein werden. „Wann sind wir in Lobuche?“…..Ich kann es einfach nicht mehr hören und David und ich lachen uns scheckig. Ich habe leider den Eindruck, dass sich bei mir wieder eine Fieberwelle breit macht und gehe nach oben. Die anderen führen noch Phase 10 fort. Als David später hochkommt, schmiere ich ihm noch seine Schulter ein und danach ist wieder der Mülleimer dran J.  Mal sehen, wie die Schlaftablette wirkt, die sich David einwirft. Ich hoffe es funktioniert und wir sind morgen beide fitt. Gute Nacht!

 

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