Tag 8: Dingboche – Tukla - Lobuche

24.11.2005 Dingboche – Tukla - Lobuche

Um 06:30 Uhr aufstehen. David hat zwar ein paar Stunden geschlafen, dafür plagt ihn aber jetzt ein Durchfall. Ob die Tablette daran schuld ist oder etwas anderes, ist nicht nachzuvollziehen. Mir geht es Gott sei Dank etwas besser, so dass ich mich nun um David kümmern kann. Das Fieberthermometer zeigt 37,2°C an. Wir packen und gehen in den Frühstücksraum. Dort muss ich die Geschichte von Davids Einschlafen gestern Abend erzählen. Kurz nachdem er sich die Schlaftablette eingeworfen hatte las er noch etwas in seinem Buch. Plötzlich hörte ich nur einen dumpfen Ton und sah, dass David geradewegs eingeschlafen und sein Kopf samt noch brennender Stirnlampe ins offene Buch gesunken war. Sehr süß sah das aus. Ich bekam ihn aber noch wach, so dass er schließlich eine bequemere Schlafposition einnehmen konnte und nicht mit einem Abdruck auf der Stirn aufwachen musste. Naja, aber leider ging es ihm heute Morgen nicht gut. Wir wollen es aber versuchen, ins nächste Lager in Dingboche zu kommen. David fühlt sich ziemlich schwach auf den Beinen, kämpft aber unermüdlich. In der Lodge verabschieden wir uns von Franziska und Jochen, die ihren Weg zum Chunkhung Ri aufnehmen. Zunächst geht es den gleichen Hang hinauf wie nach Periche. Danach folgt eine weitere Hochebene mit Steppen Charakter. Der Blick nach vorn richtet sich auf den Tebuche Peak, Schola Peak und Schola Pass. Im Rücken haben wir den Ama Dablam, unseren treuen Begleiter. Links von unserem Weg fällt es ab in das Tal, in dem Periche liegt. An einem ehemaligen Hof machen wir Halt, so dass sich David ausruhen kann. Ihm geht es ziemlich schlecht. Dorchy nimmt seinen Rucksack und wir versuchen ein weiteres Stück zu laufen. Der Weg bleibt ziemlich flach und weit. Dann biegen wir nach rechts in das nächste Tal. Auf schmalem Wege geht es bergab. Unten angekommen, überqueren wir einen halbvereisten Fluss. Eine nette Hütte (der Ort aus zwei Hütten bestehend heißt Tukla) am anderen Ufer erwartet uns zum Mittagessen, bevor es steil 250 Höhenmeter hinauf gehen wird. Wir sind auf 4.600m. David legt sich auf die Bank und in meinen Schoß, um sich auszuruhen. Wir gönnen uns eine Tomatensuppe und Dandy hält noch mitgebrachten Yak-Käse in die Runde. David knabbert so gut es geht an seinem trockenen Chapatti-Brot. Die Pause tut ihm gut, so dass er auch beschließt weiter zu gehen und nicht in Tukla zu übernachten. Die Jungs gehen vor, Britta und ich folgen ihnen. Anfangs haben wir ein viel zu schnelles Tempo drauf. Bald verlangsamen wir unseren Schritt, aber ich merke schon, dass sich leichte Kopfschmerzen breit machen. Auf dem Sattel nach dem steilen Anstieg erwartet uns ein atemberaubender Ausblick. Wir stehen an einem monumentalen und sehr ergreifenden Platz - einem „Friedhof“ für alle Todesopfer der Besteigungen des Mount Everest. Jedem Toten ist mit einem so genannten Steinmann, einem Stapel aufgetürmter Steine, auch „Dschörte“ genannt, die letzte Ehre erwiesen. Die Dschörten weisen unterschiedliche Größen und Formen auf, manche sind mit Gedenktafeln und Inschriften versehen, andere sind einfach nur anonyme, schlicht aufeinander gestapelt Steine. Verbunden sind viele der Dschörten mit bunten Gebetsfahnen, die wild im Wind flattern. Die Sonne scheint und um den Platz herum erstrahlt das Weiß der Bergriesen, die vielen von den hier Gedachten zum Verhängnis wurden. Von hier aus trohnt bereits der Nuptse in seiner ganzen Pracht. Wir entdecken die Dschörte von Scott Fischer und gedenken seiner mit einem weiteren Stein. Gleichsam ergriffen gehen wir weiter. Von nun an schlängelt sich der Weg relativ gleichmäßig hinauf nach Lobuche im Khumbu Tal. Lobuche liegt auf 4.950m und ist eine Ansammlung von ca. 10 Hütten. In der National Park Lodge & Restaurant kehren wir ein. David legt sich sofort erschöpft hin. Ich versuche ihm in Windeseile zu helfen. Ich ziehe ihn um und lege ihn in seinen Schlafsack. Unsere Unterkunft ist diesmal sehr spärlich und klein. Licht dringt lediglich von oben durch ein kleines Fenster hinein, um die Kälte draußen zu lassen. Die Wände sind nur aus Sperrholzplatten gezimmert. David misst 37,7°C Fieber, was mich sehr beunruhigt. Ich besorge Tee und er schluckt eine Paracetamol. Ich lege mich zu ihm und versuche, mich auch zu erholen. Schließlich ist auch meine Erkältung samt erhöhter Temperatur immer noch präsent. Nach dem Nickerchen geht es David besser, allerdings habe ich nun ganz fürchterliche Kopfschmerzen. Wie ein Hammer wird von innen auf meinen Kopf eingeschlagen. Ich möchte gar nicht aufstehen, aber etwas essen sollten wir schon. Ich gehe mit David in den Aufenthaltsraum, wo schon Kai und Britta sitzen. Mir rollen die Tränen vor Schmerzen. Ich soll eine Knoblauchsuppe essen, denn diese hilft wie Aspirin (von denen ich schon zwei eingeworfen habe), nämlich Gefäß erweiternd was die Durchblutung fördert und entsprechen den Druck aus dem Kopf nehmen kann. Wir werden an diesem Abend nicht alt und gehen gegen 19:00 Uhr ins Bett. Anscheinend haben alle Mittel geholfen, so dass sich meine Schmerzen gelegt haben. Dennoch beschließen wir erst morgen früh zu entscheiden, ob wir zum Gipfel aufbrechen oder einen weiteren Ruhetag einlegen. Es ist eisig kalt draußen, aber ein umwerfender Sternenhimmel begeistert uns bei jedem Toilettengang. Das Wasser auf der Toilette hat bereits eine leichte Eisschicht. Man muss auch aufpassen, dass man beim Hinhocken nicht ausrutscht, so glatt ist es. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich alles Warme anzuziehen und in den Schlafsack zu schlüpfen. Ich lese noch bis 21:30 Uhr mein spannendes Buch, so dass ich mit David noch einmal gemeinsam auf die Toilette gehen kann, bevor wir einschlafen. Gute Nacht!

 

...weiter zum Tag 9 des Everest Base Camp Treks