Tag 3: Shira Camp - Barrancu Camp

28.08.2003 Shira Camp - Barrancu Camp (3.900m)

Nach dieser Höllennacht bin ich wie ausgetauscht. Von der Stärke, die ich in den letzten Tagen gesammelt hatte, ist nichts mehr da. Ich fühle mich einfach nur schlapp, wie ein Häufchen Elend. Mac geht es genauso mies, aber wir können nicht nachvollziehen, woran es liegen kann. Schließlich geht es Kai und David durchaus gut, obwohl sie genau das gleiche gegessen, getrunken und getan haben wie wir. Christina empfiehlt uns, es lieber mit einem Antibiothikum zu probieren, da die Umstände hier nicht die besten sind, um eine solche mögliche Infektion auszukurieren. Mich beschleicht die Vermutung, mir eine grippale Magen-Darm-Infektion zugezogen zu haben oder eine tansanische Form davon. Auf jeden Fall irgendein Darmvirus, auf den Mac und ich so heftig reagieren. Ich entschließe mich, das Antibiotikum zu nehmen, während Mac es austragen will. Der für heute angepeilte Weg zum Barrancu Camp ist aufgrund der Umstände für uns beide unglaublich beschwerlich. Der Plan sieht einen Anstieg auf 4.400m vor mit der Möglichkeit, den Tagesmarsch um die Besteigung des Lawa Tower Rocks mit 4700 m zu erweitern. Der Tower ist ein kegelförmiger Fels, den man klettertechnisch erklimmt. Wie man den Weg auch gestaltet, für alle heißt es aber am Ende des Tages, den Abstieg zum Barrancu Camp auf 3.900m anzutreten. Ich bekomme erhlich gesagt sehr wenig von diesem Weg und Tag mit. Ich nehme die steinige Landschaft wahr und die wachsende Nähe zum mächtigen Kibo mit seinem Gletscher. Ansonsten schleppe ich mich fremdgesteuert hinter Felix hinterher. David und Kai nehmen mir sogar meinen Tagesrucksack ab, da ich mit mir allein genug zu tragen habe. Bei jedem Schritt würde ich am liebsten die Augen schließen und mich einfach nur irgendwo hinlegen. Aber das kann es doch nicht gewesen sein. Ich will nicht zurückbleiben. Dafür habe ich doch nicht die letzten Tage so geschufftet. Ich will da hinauf und zwar mit meinen Jungs! Auf jeden Fall wird es zum ersten Mal ziemlich einsam auf dem Trail, da wir durch Macs und meine ständigen Pausen von allen Gruppen überholt werden. Wir laufen am Fuße des Kibos um den Lawa Tower herum und verzichten dankenswerter Weise auf die optionale Kletterpartie. Nach 6 1/2 Stunden erreichen wir das heutige Camp. Es ist spektakulär auf einem felsigen Hochplateau mit etwa 150m im Durchmesser am hinteren Ende des Barranco Valley gelegen. Der Blick ins grüne Tal, wie auch auf den kargen, so genannten Helm Gletscher im Rücken, ist beeindruckend. Ich lege mich sofort nach der Ankunft schlafen. David genießt die wärmende Sonne und liest sein Buch. Kai und Mac, dem es auch ohne Antibiothikum schon wieder wesentlich besser geht, erkunden in der Zeit die Gegend. Eine Stunde später werde ich zum Abendessen geweckt. Heute gibt es sogar gebratene Beef-Streifen. Wir fragen jetzt lieber nicht, wo dieses Fleisch die letzten Tage gekühlt wurde und vertrauen besser blind :-).
Gleich nach dem Essen lege ich mich wieder hin während die Jungs noch Wasser filtern, bis der Filter vor Dreck wieder verstopft ist und auch sie schlafen gehen.

 

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