Tag 1: Nairobi - Naro Moru

18.08.2003 Nairobi - Naro Moru

Um 05:35 landet unsere Maschine und, erwacht aus einem etwa 3 1/4 h Schlaf sind wir gespannt, was uns nun erwartet. Sicherlich nicht zu vergleichen mit dem verspielten, modernen Flughafen von Abu Dhabi, setzt der Nairobi Kenyatta International Airport eher auf das klassisch Element Holz und versprüht ein für Europäer erscheinendes Durcheinander. Lauthals wird ein Afrikaner von der Polizei vor uns eher unfreiwillig durch den Gang geschoben, an der Passportkontrolle herrscht reges Treiben begleitet von lautstarken Diskussionen und langen Schlangen. Auf der Toilette putzte ich mir derweil die Zähne und werde von den Anderen gerügt, das Wasser so unvorsichtig genutzt zu haben. Schließlich können wir bei unserem Vorhaben kein Risiko eingehen, zu erkranken.
Bei der Passportkontrolle sind wir nicht ganz sicher, ob Deutsche nun ein Visum benötigen oder nicht. Die Reiseführer schreiben eindeutig, dass deutsche Touristen kein Visum benötigen, die Realität sieht aber anscheinend anders aus.
Während Kai kurzen Prozess macht, die US$ 50,- bereitwillig zahlt und seinen Stempel bekommt, zehtern wir noch rum und stellen uns geduldig in die Schlange. Leider erfolglos, denn Diskussion hat hier keinen Sinn. Wir müssen akzeptieren, dass sich das Gesetz wohl geändert hat und die Informationen in unserem Reiseführer demnach überholt sind. Während Kai also schon am Gepäckband unsere "Mülltüten-Rucksäcke" in Empfang nimmt (tatsächlich ist nur noch Davids Tüte intakt) stehen wir drei uns die Füße platt, um endlich die US$50,- blechen zu können. Leider konnte ja keiner ahnen, das eine griechische Reisegruppe eine Sammelanmeldung vor uns vornimmt und wir somit geduldig 45 min am Schalter ausharren müssen.
Wahrscheinlich bezieht sich in Kenya die "pole, pole"-Taktik (langsames Handeln erhöht die Aussicht auf Erfolg) nicht nur auf die Berge).
Aus dem Schlamassel befreit machen wir uns mit Sack und Pack auf zum nächsten Abenteuer - Transfersuche nach Nairobi! David & Mac folgen einem Lockangebot einer netten nubischen Schönheit, welche verspricht, für 50 Kenyanische Schilling (KSh) ein Taxi in die Stadt zu bekommen. In Wirklichkeit sieht es allerdings so aus, dass wir ca. 1h in einem 7qm Büro eines kenyanischen Touristenamtes sitzen, weil uns ein doch scheinbar hilfsbereiter Kenyaner mit seinen strahlend weißen Zähnen von der Vorteilhaftigkeit eines direkten Transfers nach Naro Moru, dem Ausgangspunkt zum Mount Kenya, überzeugen will. Abgesehen von dem horrenden Touristenpreis von US$ 400,-, würde der Transfer aber noch weitere Komplikationen in sich bergen, die wir nach und nach heraushören. Kurzer Hand nehmen wir also unsere Sachen und verschwinden schließlich mit einem Taxi für US$ 3,- p.P. zunächst nach Nairobi. Uns wird bereits klar, dass wir in den kommenden Wochen einige Diskussionen und Verhandlungen auf uns nehmen werden müssen, um unsere Ziele zu erreichen.
Die Fahrt nach Nairobi City erfolgt in einem ausrangierten Londoner Taxi. Der erste Eindruck von der Stadt ist trotz Vorbereitung mittels Reiseführer eher ernüchternd. Fast traurig ist man über den Zustand der Stadt, mit dem wir in dieser frühen Morgenstunde konfrontiert werden. Anstatt eines Sonnenaufgangs und langsamen Erwachens der Stadt, prasselt die 2,5 Millionenmetropole mit starkem Abgas-Smok, hektischem Treiben und unübersehbarem Abfall am Straßenrand auf uns ein. Offensichtlich ist die Angabe der offiziellen Einwohnerzahl nur Makulatur.
In der Stadt setzt uns das Taxi an der gewünschten Bushaltestelle ab. Leider bietet diese jedoch nicht mehr die versprochenen Busverbindungen zu unserem Ziel Naro Moru an. Daher erklären David und ich mich bereit, auf die Sachen aufzupassen, während Kai und Mac sich auf die Suche nach einem alternativen Transfer machten. Nach etwa einer 3/4 Stunde kommen sie zurück, mit den Worten: "This is our driver!". Schon hatten wir die Hand von einem nett lächelnden, wenn auch zahnlosen und nach einer ordentlichen Alkoholfahne riechendem Kenyaner in unserer Hand.
Die Sachen geschnappt geht es kreuz und quer durch die überfüllten, Straßen und Lehmwege zu einem alten Peugot-Minibus, der bereits mit zwei weiteren Herren und natürlich laufendem Motor auf uns wartet.
Wir sollen auf diesem Trip noch viele "friends" finden, die sich alle durch die durch die gleiche Geste auszeichneten, nämlich dem Entgegenstrecken der Hand zum fordernden, wenn auch sehr leichtem Händedruck und immer irgendetwas zu vermitteln haben, was wiederum ein anderer dann ausführt. Na gut, für vereinbarte KSh 2.500,- hatte Kai verhandelt, nach Naro Moru gebracht zu werden.
Natürlich bleibt wie so oft auf unserer weiteren Tour nicht die Diskussion während der Fahrt aus, noch einmal den vereinbarten Preis zu erhöhen und wenigstens noch einen Aufschlag für die Benzinkosten zu zahlen. Ohne uns wirklich zu einigen, fahren wir aber schließlich in rasantem Tempo auf der von Schlaglöchern geprägten Straße Richtung Mount Kenya, unserem ersehnten ersten Urlaubsziel. Nach halbstündiger Fahrt wird das Land anschaulicher und auch die Sonne hat eine Chance, sich zu zeigen. Entlang der gesamten Strecke laufen ständig Menschen parallel der Straße. Ununterbrochen begleitet uns jemand am Wegesrand, ob beladen oder einfach so. Kein Wunder, dass dieses Volk so gute Langstreckenläufer hervorbringt! Der Landstrich nach Naro Moru wird immer fruchtbarer und grüner und Kaffeeplantagen wechseln sich ab mit Bananen- oder Annanasfeldern, auf denen die kenyanischen Frauen mit ihren auffällig bunten Gewändern arbeiteten.
Leider können wir den Mount Kenya aufgrund von einer dichten Wolkenhülle nicht ausmachen, aber unser Fahrer teilt uns nach 2 1/2 Stunden Fahrt mit, dass wir in Naro Moru angekommen seien. Wo wir hingebracht werden wollen, erkundigte sich der Fahrer, der allerdings mit der Adresse der Lodge, die wir ihm nennen, nichts anfangen kann. Jedoch weiss er sich sofort zu helfen und fragte seine vielen Freunde am Straßenrand von Naro Moru, die sich in Windeseile um unseren Minibus scharren. Jeder kennt sie natürlich und bietet sich sofort als mitfahrender Guide an. Mac fragte nur kurz vom Rücksitz, "wie viele denn jetzt schon da vorne säßen", was nur unschwer erkennen lässt, dass die Hilfsbereitschaft der Freunde bei weitem die Kapazität unseres Busses übersteigt. Schließlich begleitet uns Paul zur Mountain Hill View Lodge, die laut Kai´s Reiseführer als Mittelklassehotel klassifiziert ist. Leider entpuppt sich diese Unterkunft als alles andere als Mittelklasse und unsere Zweifel an einer bequemen ersten Nacht nach mittlerweile 28-stündigem Trip steigen. In den Zimmern hätte ich nicht einmal gerne meinen Rucksck auf den Boden gestellt, geschweige denn mich in das kleine, durchgelegene und versiffte Doppelbett legen wollen. Mein Blick nach der Kurzinspektion genügt, um Mac und David, die im Bus sitzen geblieben waren, zu signalisieren, nicht hier auszusteigen, sondern weiter zu suchen. Paul der uns bereits seine Dienste als Bergführer anbot, erklärte sich bereit, uns kostenlos eine Alternative zu zeigen. Das bedeutete aber, dass wir ihn dann auch als Bergführer verpflichten müssten. Da wir eh' einen Bergführer für die bevorstehende Besteigung des Mount Kenya brauchen, willigen wir zufrieden ein. Und schon geht es in einem klapprigen Mattatu - der Volkswagen in Kenya - zunächst zu einer leider ebensowenig angenehmen Lodge (Blue Line), bevor wir schließlich unser Domizil für die erste Nacht finden. Die Naro Moru River Lodge. In Deutschland hatten wir bereits von der Lodge gelesen und nach Zimmern gefragt. Der Preis war uns aber damals entschieden zu hoch. Jetzt ist es uns allerdings egal, nachdem was wir sonst als Alternative gesehen hatten, freuen wir uns nun auf das schön angelegte parkähnliche Areal, mit kleinen rustikalen Holzhütten, Pool und Vollpension. Hier bleiben wir, wenigstens eine Nacht. Mittlerweile knurrte uns allen der Magen und groß ist die Freude im Restaurant ein köstliches Lunch serviert zu bekommen. Paul ist immer noch an unserer Seite und während des Mittagessens verhandelen wir mit ihm über unsere Tour zum Mount Kenya. Paul entpuppt sich als lizenzierter Bergführer, auch wenn keiner von uns ihn auf dem Passbild des Bergführerausweises erkannt hätte. Nichtsdestotrotz erscheint er uns sehr seriös und gemeinsam schmieden wir einen guten Plan für unseren Akklimatisationstrip am Mount Kenya. Natürlich werden alle Details vertraglich festgehalten. Nun sind wir alle gespannt, ob Paul uns morgen früh wie geplant um 09:00 Uhr zur Tour abholt, oder doch lieber mit der Anzahlung von US$ 300,- von dannen zieht.
Nachtrag: Ein paar Worte seien noch zu unserem afrikanischen Gefährt, dem Mattatu, während der Unterkunftssuche gesagt. Während man auf der Rückbank des Kombis bei jeder Straßendelle mit dem Po unsanft aufsetzt, fehlten an den Türen sämtliche Verkleidungen. Auf meine Bitte, einmal das Fenster runterzukurbeln, um ein Foto machen zu können, antwortete David nur: "Gerne, aber womit?!". Auch der leicht säuerliche Geruch im Auto ist mehr als delikat. Auf jeden Fall stopfen sie alle unsere Habseeligkeiten hinein und fahren uns bemüht durch die Gegend. Was kümmern einen da lose Elektrokabel und Ölkanister zwischen den Beinen des Fahrers?!

 

Die ersten gelernten Worte auf Suaheli:

dio = ja
Jambo = Hello
Karibu = Willkommen, Prost
Assanti Sana = Danke vielmals
Kawa = Kaffee
Tschai = Tee

 

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