Tag 3: Met Station Lodge - Mc Kinders Camp

20.08.2003 Met Station Lodge - Mc Kinders Camp

Wir haben alle gut in unseren warmen Schlafsäcken geschlafen und keiner verspürt irgendwelche Anzeichen der Höhe. Unser erstes "do it yourself"-Frühstück wartet auf uns: Müsli mit Milchpulver und Nüssen aus einer Familienschüssel gelöffelt, dazu ein Becher Tee. Paul brät draußen jedem von uns ein Ei. Köstlich für diese einfachen Verhältnisse. Dann heißt es abwaschen, einpacken und Start zur nächsten Etappe um 08:30 Uhr. Unser heutiges Ziel ist das Mc Kinders Camp auf 4.300m. Das bedeutet 13km Fußmarsch bei anscheinend gutem Wetter. Sicherheitshalber ziehe ich dennoch eine lange Unterhose unter meine GoreTex-Hose. Das erste Stück führt uns wieder bis zum Generator, zu dem wir am Vortag abends noch gelaufen sind. Bei Sonnenschein sieht diese tropische Zone mit seinen bunten Lilien und Lupidien wunderschön aus. Von den Bäumen hängen große Büschel Flachs und andere Schmarotzer, dickes Moos umgarnt die Äste und Stämme und lässt den Wald als eine verschmolzene Masse erscheinen, durch die man nur mit einer Machete dringen würde. Bambus gibt es nicht mehr in dieser Höhe. Ab und zu können wir einen schönen Blick in die Ebene aus der wir am Vortag emporgestiegen sind erhaschen. Mittlerweile sind wir auch auf gleicher Höhe mit der ersten Wolkenschicht. Pole, pole steigen wir den sehr steilen Pfad hinauf und wechseln bald in die gemäßigte Alpinzone. Diese ist sehr sumpfig und viel lichter vom Baumstand. Die zwei auffälligsten der insgesamt acht Ludidienarten sprießen in dieser Zone wie Kerzen oder Fingerhüte sehr schlank und hoch aus dem Boden oder sind bodennah und breitflächig gewachsen. Eingeschlossen in Ihrem Herzen bzw. zwischen den vielen Blättern speichern sie das Regenwasser wie in einer Schüssel. Immer wieder machen wir eine Trink- und Fotopause, bevor wir wieder kontinuierlich langsam weiterlaufen. Der ein oder andere Schritt versinkt hier schon mal im Matsch und umso schwerer wird es, den 15 bis 18kg Rucksack plus den Wasservorrat hochzuwuchten. Sehr aufmerksam horcht jeder auf seinen Körper bei jedem gewonnenen Höhenmeter. Viel haben wir gelesen über die Höhenkrankheit und jeder wartet gespannt auf irgendein Anzeichen, welches man allerdings vorsorglich versucht, zu verhindern. Ich fühle mich sehr müde aber sonst geht es mir gut. Ab und zu pocht es mal im Kopf und sofort entsteht die Befürchtung, die besagten Kopfschmerzen zu bekommen. Natürlich spielt hier die Psyche eine große Rolle und meistens geht das Pochen auch schnell wieder weg. Nichtsdestotrotz ermahnen uns spätestens solche Anzeichen immer wieder, das langsame Tempo beizubehalten sowie regelmäßig und viel zu trinken. Auf unserem Weg wechselt das Wetter ständig: Sonne, Regen, Wind, Nebel. Fast alle Wetterelemente beschäftigen uns damit, unsere Kleidung ständig an die Umstände anzupassen. Von der gemäßigten Alpinzone führt uns unser Weg weiter in die Hochalpinzone. Hier wachsen die Lupidien hoch und mit kräftigem Stamm. Ein sehr mystischer Anblick, besonders bei dem aufkommendem Nebel. Plötzlich schauen wir in ein Tal vor uns, das uns zum Mt.Kenya führen wird. Es geht von nun an nur noch leicht bergauf. Ab und zu kann man eine Ecke der drei Gipfel erspähen, die aber im nächsten Moment wieder in den Wolken verschwinden. Alles geht nur noch sehr langsam und das Atmen fällt bereits schwerer als zuvor. Im Gegensatz zu den Jungs fühle ich mich noch ganz gut, aber das liegt bestimmt auch an dem etwas kleineren Rucksack, den ich trage. Um 15:00 Uhr gratuliert uns David zu unseren ersten 4.000 Höhenmetern. Wow, so hoch war ich noch nie! Danach geht es gut über z.T. mit Moos bedeckten Wegen voran. Entlang eines Baches kommen wir dem Tagesziel immer näher. Die letzten 200m sind noch einmal hart, da der Weg sehr steil bergauf führt. Aber dann ist es vollbracht! Nach 8 1/2 Stunden haben wir das Mc Kinders Camp erreicht und sind überglücklich. Heute haben wir 1.250 Höhenmeter geschafft! Das Camp ist eine lange, schlanke Steinhütte von dessen langem Flur, der mit seinen Tischen und Bänken als Aufenthaltsraum dient, drei Schlafsäle abgehen. Die Schlafsäle sind mit Doppelstockbetten ausgerüstet, so dass wir unsere Isomatten nur als Zusatzisolierung auf die Matratzen zu legen brauchen und auf einem weichen, bequemen Untergrund schlafen werden.
Wie bereits vermutet, treffen wir hier oben auch das erste Mal auf H. und L. Die Begegnung ist sehr unterkühlt. Kai berichten sie, dass sie bereits auf dem Gipfel waren und nun vor haben, nochmals hoch zu wandern, bevor sie im Anschluss zum Kilimandscharo aufbrechen (schau einer an!), um abschließend noch einmal zum Klettern hierher zurückkehren. Na gut, so soll es wohl sein und das war wohl anscheinend nicht mit uns gemeinsam zu realisieren. Wir bereiten indessen unser köstliches Trekker-Abendmal a lá Maggi Spaghetteria vor: Spinatsuppe, Maccaroni und Tee. Kai und David klagen ein weing über Kopfschmerzen und alle sind recht müde. Wir machen es uns gemütlich bei Kerzen und Tee und spielen noch eine lange Runde Mensch-Ärgere dich nicht. Irgendwie dauern die Spielzüge und Gedankengänge bereits ungewohnt lange... Gegen 21:00 Uhr gehen wir als die Letzten ins Bett. Wir versuchen zu schlafen, sind jedoch um Mitternacht wieder wach, als die italienische Gruppe sich für den Gipfelsturm vorbereitet. David muss mal auf die Toilette und ich habe Durst. So entschließen wir uns, uns aus dem molligen Schlafsack zu pellen und nach draußen zu gehen. Wir sind überwälltigt von dem Sternenhimmel, der uns draußen erwartet. Es ist im ersten Moment gar nicht so kalt, wie ich annahm, allerdings sind wir auch mit langer Unterwäsche im Sommermonat August unterwegs. Zurück im Bett versuchen wir nochmals zu schlafen. Nach anscheinend langer Zeit schlafe ich auch ein, jedoch mit einem erstmals ständigen Druckgefühl im Kopf.

 

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