Tag 4: Mc Kinders Camp - Austrian Hut

21.08.2003 Mc Kinders Camp - Austrian Hut

Um 06:30 Uhr können wir nicht mehr schlafen und stehen auf. H. und L. sind bereits dabei, sich startklar zu machen. Es ist wunderschönes Wetter, die Berge sind ganz klar zu sehen und so langsam kriecht die Sonne über den Gipfel und scheint ins Tal hinab. Spürbar steigt die Temperatur mit den Sonnenstrahlen und unsere Laune ebenfalls. Die Klippschiefer (Maderartige Tiere in dieser Höhe) sind bereits aktiv und warten auf die Brotkrumen der Wanderer. Paul hat uns die tolle Nachricht übermittelt, dass wir erst um 10:00 Uhr zu unserer Tagestour zur Austrian Hut aufbrechen. Somit lehnen wir uns genüsslich zurück und lassen uns das Frühstück schmecken. Die Sonne scheint durch die dünnen Fenster in die Hütte und wärmt uns gerade zu liebevoll den Nacken. Von unseren Nachbarn darf ich mir ein Stück Weißbrot nehmen, dass ich zusammen mit dem Spiegelei genieße. Mein Gott, wie man sich bereits über den Geschmack einer Scheibe Brot freut!
Nach dem Frühstück ist Fotosession und Streichelzoo angesagt. David klaut der freche Klippschiefer das Brot sogar aus der Hand. Pünktlich um 10:00 Uhr starten wir vom Mc Kinders Camp links am Tal entlang nach oben. Unser Blick ist immer auf die zwei felsigen Gipfel Batian und Nelion gerichtet. Der steile, steinige Weg führt uns stetig bergauf an hohen Lupidien vorbei zum Point John am Ende des Tals, der hoch und felsig über diesem tront. Nach einer Stunde wird der Weg sehr steinig und die Anzahl an Pflanzen nimmt stark ab. Wir beginnen nun einen steilen Weg auf der rechten Seite des Tals, der aufgrund des feinen Kieselbodens sehr rutschig ist. Sorgfältig schieben wir bei jedem Schritt den Schuh in den losen Kieselboden, um eine stabile Trittfläche zu formen. So stelle ich mir das Laufen auf dem Mond vor, lediglich die Schwerelosigkeit lässt auf sich warten. Der Weg zieht sich scheinbar in die Länge und das Wetter wechselt ständig. Erwartet uns so etwas am Gipfel des Kilimandscharo? Gutes Training!? Nach 3 Stunden gelangen wir über große Felsbrocken springend zur Austrian Hut, eine Schutzhütte auf 4.700m von Österreichern zum Dank für eine Rettungsaktion den Kenyanern gespendet. Hier oben ist es bereits wesentlich kälter (5°C). Zum ersten Mal sehen wir von hier aus den Point Lenana. Zwischen 45 min und 1 Stunde würden wir noch bis zum Gipfel benötigen. Aber nicht mehr heute. Stattdessen machen wir es uns mit unseren Power-Müsliriegel und Tee in der Porter Hut für ein paar Minuten gemütlich, bevor wir den Rückweg antreten. Mir ist mittlerweile tierisch kalt und der Wind tut sein Gutes dazu. Ich mummel mich ein so gut es geht. Besser helfen wird aber Bewegung - ein schneller Abstieg. Wie Skifahrer gleiten wir wedelnd alle samt den Kiesel hinunter. In nur 1 1/2 Stunden sind wir wieder im Mc Kinders Camp zurück. Perfektes Timing, denn gerade jetzt fängt es an zu regnen. Die Hütte ist mittlerweile leer und nur ein holländisches Päarchen empfängt uns. In Windeseile werden wieder die gewohnten Rollen verteilt: Doreen holt Wasser vom Bach, David und Mac wechseln sich beim Wasserfiltern ab und Kai bereitet den Kocher vor. Mittlerweile sind wir ein richtig eingespieltes Team. Es gibt Tee und ein warmes Tütensüppchen. Die insgesamt 4 1/2 Stunden Akklimatisationstour hat uns heute gereicht und mit leichtem Gepäck 500 Hm auf 4.700m zu steigen, war sicherlich ein gutes Training. Paul lädt uns heute zum Abendessen ein. Es gibt Reis, Kartoffeln und Gemüse - köstlich!! Vor dem Essen halten wir alle noch ein Nickerchen, Davids Blase am Fuss wird von Dr. Kojro behandelt und ich Frostbeule packe mich warm ein. Irgendwie habe ich mir schon einen Schnupfen eingefangen. Draussen regnet es immer noch und zu unserem Erstaunen wechselt der Regen schon bald in Schnee. Wir haben Ende August, in Deutschland herrscht eine abnormale Hitzewelle und um uns herum sind die Berge schneebedeckt. Während des Essens besprechen wir mit Paul die morgige Tour und entschließen uns, zunächst zum Shiptons Camp zu laufen, um von dort aus erst übermorgen den Gipfel Point Lenana zu erklimmen. Mac plagen leichte Kopfschmerzen und sicherlich wird uns allen ein extra Tag auf unserem noch so langen Weg gut tun. Am Abend (19:00 Uhr) gibt es noch eine Runde Kniffel und ein köstliches Bananen-Pancake von den Holländern. Wie kostbar sonst so selbstverständliche Kleinigkeiten bereits werden - unglaublich, aber schön zu erfahren! Wir frieren mittlerweile alle wie die Schlosshunde und selbst der Tee wärmt nicht mehr. Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als um 20:00 Uhr im Schlafsack zu liegen. Ich habe mich diesmal mit Ohrenstöpsel versorgt und schlafe fantastisch. Mac steht mehrmals in der Nacht auf, weil er Durst und Kopfweh hat. David liegt ebenfalls noch lange wach und auch Kai muss häufiger in dieser winterweißen Sommernacht raus.

 

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