Tag 7: Old Moses Camp - Moshi/Tansania

Gipfel-Urkunde Mt.Kenya: Zertifikat Mount Kenya

 

24.08.2003 Old Moses Camp - Moshi/Tansania

Um 04:00 Uhr erheben wir uns für den letzten Tagesmarsch am Mt. Kenya aus den warmen Schlafsäcken. Der Schlafsack ist für uns mittlerweile zum Inbegriff von "I feel home" geworden und umso schwieriger ist es, sich morgens bei wenigen Grad Celsius aus dem selbigen zu schälen. Heute erscheint es uns wieder richtig kalt, obwohl wir uns mittlerweile wesentlich tiefer befinden. Man kann den Atem vor Augen sehen. Im Halbdunkeln mit der Stirnlampe kochen wir Tee, packen und frühstücken ein letztes Mal unser "köstliches" Schokomüsli mit Milchpulver und den restlichen Nüssen. Jeder Handgriff sitzt in unserem eingespielten Team und pünktlich wie keinen Tag zuvor, stehen wir um 06:00 Uhr vor der Hütte zum Abmarsch zum Sirimon Gate bereit. Paul scheint nicht mit unserer Pünktlichkeit gerechnet zu haben und muss ganz schön hetzen, als wir erwartungsvoll vor ihm stehen. Da David schwer mit seinen Blasen an den Füßen zu kämpfen hat, schlägt Paul vor, die Straße nach unten zu nehmen. Unter Straße, lernen wir alsbald, versteht man in diesen Breitengraden auch einen breiten, Lehmweg, in den tiefe Spurrinnen gefahren sind und der an der einen oder anderen Stelle in seiner Konsistenz einem Seifenbrett ähnelt. Es ist fraglich, ob solch ein Balance-Akt nun so viel angenehmer für Blasen-geplagte Füße ist, aber da muss David jetzt wohl durch. Von der Buschzone gelangen wir zurück in den Regenwald, aus dem wir vor sechs Tagen kamen. Hier fordert uns Paul energisch auf, ruhig zu sein. Er hat Spuren von Elefanten entdeckt und weiss, dass eine Kuh mit ihrem Baby in der Nähe sein muss. Die Kuh ist wohl sehr aggressiv aus Angst um ihr Baby, wenn sie auf Menschen trifft. Paul möchte tunlichst ein Zusammentreffen vermeiden und so schleichen wir den Weg entlang. Rechts und links am Wegesrand sieht man im Wechsel gewaltige Schneisen und aufgewühlte Erdhaufen. Laut Paul treiben Büffel und Elefanten hier ihr Unwesen. Das Wetter hält gut durch und die Sonne begleitet uns den ganzen Weg. Beim Zurückschauen sehen wir noch die Spitzen des Batian und Nelion bis wir tiefer in den Regenwald eindringen und die Wolken sich wie am ersten Tag zunehmend um den Berg legen und die freie Sicht verhindern. Nach 2 Stunden erreichen wir das Gate, wo zu unserer Freude schon der bestellte Jeep auf uns wartet. Es ist bereits kurz nach 08:00 Uhr. Der Jeep bringt uns nach Nayuki, wo wir das Gefährt wechseln. Die Jungs suchen zusammen mit Paul eine Apotheke auf und ich muss mich in der Zwischenzeit von einem kenyanischen Bauchladen-Kaufmann zum Kauf eines Kettchens überreden lassen. Hinsichtlich der Apotheke, sind die Jungs auf der Suche nach einem geeignetem Lariam-Substitut, da unser derzeitiger Vorrat an Malaria-Prophylaxe nicht ausreichen wird. Es gibt eine Medikation, Melofoguin, die die gleichen Substanzen enthält und wesentlich günstiger ist (4 Tabeletten kosten US$ 7,- im Gegensatz zu 50 EUR). Allerdings bleiben die Jungs erfolglos und wir begeben uns im Matatu auf unseren Weg nach Naru Moru. In der Lodge müssen wir unsere restlichen Sachen abholen. Zu unserer Freude treffen wir dort doch tatsächlich noch einmal auf H. und L. Sie wollen sich noch ein paar Tage ausruhen. Wir nehmen an, dass sie nicht zum Kili weiterfahren und zurück zum Klettern an den Mt.Kenya gehen werden. Schau'n wir mal. Mit Paul fahren wir nach Naro Moru City, um unser verdientes Gipfelbier zu trinken. Das ist Brauchtum! Zunächst knurren aber David und mir viel mehr die Mägen und Paul bringt uns zu einem kenyanischen Fast-Food Shop, bei dem wir leckere Beef-Blätterteigtaschen für KSh 20,- pro Stück kaufen. Zurück im Mountain View Hotel wartet schon das gute kenyanische Tusker Bier auf uns. Wir bedanken uns bei Paul für die fantastische Tour und überreichen ihm das Trinkgeld (US$ 80,-), das hier erwartet wird. Unsicher, ob unser Trinkgeld angemessen ist, verrät uns aber seine Geste, dass er sich sehr über das zusätzliche Salaire freut. Gut gelaunt erklärt er uns nun das weitere Vorgehen für unseren zügigen Trip nach Tansania. Mit einem Taxi werden wir zunächst nach Nairobi gefahren. Dort wartet die Managerin von Pauls Agentur mit dem Shuttle-Bus auf uns, mit dem es dann weiter nach Arusha geht. So gesagt, so getan. Alles läuft zu unserem Erstaunen perfekt nach Plan und in Nairobi haben wir sogar noch etwas Zeit, um in einem Restaurant ein für uns unglaublich köstliches Sandwich mit Pommes zu verspeisen. Mein Gott, ist das ein Geschmack! Nach 6 Tagen Tee, Tütensuppe und Nudeln vom Hause Knorr hätte wahrscheinlich alles in diesem Moment unglaublich geschmeckt. Jetzt ist es aber eben dieses Chicken-Sandwich, das einen Gaumenschmaus für unsere Geschmacksnerven darstellt. Mit dem Riverside Shuttle für US$ 30,- geht es nach kurzem Small-Talk mit der Managerin und Ihrem Big Boss (alle waren angereist, um uns in Empfang zu nehmen...welches Geschäft wittern sie bloß mit uns?) in Richtung Grenze und Tansania.
Zum ersten Mal wird uns klar, wie unangenehm wir nach einer einwöchigen Trekkingtour mit bescheidenen hygienischen Verhältnissen riechen müssen. In diesem Shuttle, der für kenyanische Verhältnisse sehr teuer ist, sind wir nach langer Zeit umgeben von zivilisierten Menschen. Dabei kann in diesem Moment nicht von uns die Rede sein, sondern von unseren zu bedauernden Mitreisenden, die dem Anschein nach z.T. auf Geschäftsreise nach Tansania sind. Sicherlich verfälschen wir gerade ihr bisheriges Bild von Europäern und uns würde es nicht wundern, wenn keiner von ihnen Lust hat, jemals eine solche weite Reise auf sich zu nehmen, um eine anscheinend derart muffelnde Rasse Mensch zu besuchen. Zur Krönung beschließt Kai auch noch, seine Wanderschuhe im Bus auszuziehen und ist fest der Meinung, dass die Socken nicht mehr riechen würden, sobald sie getrocknet sind. Herzlichen Glückwunsch liebe Freunde, das ist der absolute Supergau! Allerdings ist es nicht schwer zu glauben, dass auch wir uns nach einer erlösenden Dusche im Springlands Hotel sehnen. An der Grenze herrscht Bürokratie pur. In einem kleinen Häuschen, aus dem eine lange Schlange Menschen quillt, holen wir uns unsere Stempel ab, geben dafür blaue und rote Ein- und Ausreisekärtchen ab. Auf dem Weg nach draußen machen wir einen großen Bogen um die verkauftstüchtigen Maasai Frauen, die sich um die Busse und Touristen scharen. Ich bin sehr beeindruckt von den schönen bunten Gewändern, welche die Maasai tragen. Während der männliche Maasai Krieger vornehmlich mit roten Wickeltüchern und seinem Speer in der Hand umherläuft, tragen die Frauen alle möglichen Farben in ihren Kleidern und Kopftüchern. An ihren Ohren hängen schwere, große Ohrringe, welche die Ohrlöcher so aushängen, das man bereits durchschauen kann. Die Fahrt geht weiter durch die endlos scheinende Steppe. Hier und da sieht man immer wieder Maasai Krieger ihre Rinderherden über das trockene Land treiben und nicht selten auch quer über die Straße. Riesige Termitenhügel türmen sich in wiederkehrenden Abständen am Wegesrand, genauso wie die runden, mit Reissig bedeckten Lehmhütten der Massai. Was erscheint in dieser Szenerie grotesker, als die Musik von ABBA, die im Bus unaufhörlich vom Band dudelt und uns zum Mitsingen anregt? Plötzlich, wie aus dem Schlaf gerissen, entdeckt Mac den Kili in der Ferne aus der Landschaft ragen. Von da an fesselt der Berg unsere Blicke und konfrontiert uns ernsthaft und plastisch mit unserem neuen Ziel. Bei untergehender Sonne strahlt das weiße Dach aus Gletschern. Fast ehrfürchtig stellen wir fest, dass 6.000m doch noch einmal einen Unterschied zu 5.000m ausmachen werden. Gegen 19:30 Uhr kommen wir schließlich in Arusha an und warten auf den Transfer nach Moshi. Ein Kleinbus holt uns ab und die letzten 45 min liegen vor uns. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir können nur erahnen, was um uns herum liegt. Wir sind alle ganz schön fertig, als wir schließlich im Springland Hotel ankommen. Es ist eine wirklich schöne und gepflegte Anlage außerhalb des Zentrums von Moshi. Wir kommen auf unsere Zimmer und sind im Nu unter der Dusche...Ahhh, das tut gut. Haare waschen, saubere Sachen anziehen (insofern noch welche vorhanden sind!) und ab geht es zum Dinner. Wir sind die letzten Gäste des Abends und daher ist das warme Buffet leider auch schon kalt. Der Koch ist so nett, uns einiges aufzuwärmen. Ein köstliches Kilimanjaro Bier rundet den Genuss ab. Gut geht`s uns jetzt! An der Bar trinken wir noch einen Absacker- natürlich Gin-Tonic, als Präventivmaßnahme gegen Malaria, bevor wir uns hundemüde von der langen Reise ins Bett verabschieden. Es ist bereits 24:00 Uhr und morgen heißt es wieder einmal früh raus. Dieses Mal aber, weil es nur bis 08:00 Uhr Frühstück gibt :-).

 

Hier geht es zum zweiten Teil der kilienya-Tour (Kilimanjaro-Besteigung)